Zak van Biljon

Modernizing Nature

 

21. August bis 3. Oktober 2020

 

Vernissage: Donnerstag, 20. August 2020, 18.30

Modernizing Nature

Einen unverbrauchten Blick auf die Schönheiten der Natur zu erhalten, dafür ging Zak van Biljon über das sichtbare Spektrum hinaus. Das Ergebnis waren Bilder von einer unerhörten Lebendigkeit.

 

Die Technik

Die angewandte Fototechnik Technik wurde ursprünglich für militärische Überwachung und die Vermessung von Nutzpflanzen entwickelt und fängt Licht im nahen Infrarotbereich ein: Infrarot sind Wellenlängen der elektromagnetischen Strahlung, die zwischen dem liegen, was wir als rot sehen, und den längeren Wellenlängen, die für die Wärmebildgebung verwendet werden.

Das Pigment in den Pflanzenblättern, das Chlorophyll, absorbiert das sichtbare Licht stark, da sie es als Energiequelle bei der Photosynthese nutzen.

Die Zellstruktur der Blätter hingegen reflektiert das -Infrarot-Licht besonders stark. Das liegt daran, dass eine starke Absorption nur zu einer Überhitzung der Pflanze und möglicherweise zu einer Schädigung des Gewebes führen würde. Das menschliche Auge ist nicht in der Lage, infrarotes Licht wahrzunehmen, aber genau diese reflektierte Energie

reagiert mit infrarotempfindlichem Material und erzeugt elektrische Rosa- und kräftige Rottöne.

 

Das Konzept

Unsere Vorstellung von Landschaften ist nicht einfach nur die Landschaft an sich. Nichts existiert an sich, sondern nur durch unsere Wahrnehmung. Die Wahrnehmung unterliegt jedoch sowohl der individuellen Beobachtung als auch der Einordnung des Gesehenen.

Die Einordnung ist wiederum stark abhängig von den Bildern, mit denen wir täglich konfrontiert werden. Das berühmte Windows-Computer-Desktop-Bild "Bliss" und andere Bilder dieser Art sind zu einer Art Natur geworden, von der wir glauben, dass sie "wahre" Natur sei: auf eine idealisierte Art unverbraucht.

Naturaufnahmen versuchen nicht eigentlich, die Natur selbst zu verfälschen, sondern sie spiegeln unsere Wahrnehmung der Natur wider. Aber was für ein Bild haben wir denn? In den sozialen Netzwerken tauschen die Nutzer Myriaden gefilterter Fotos von der Natur aus - oder wie ihrer Meinung nach die Natur aussehen muss.

Während der heutige Mensch der permanent und unwiderstehlichen Anziehungskraft durch strahlende Lichter in Städten und Bildschirmen ausgesetzt ist, erhält diese künstliche Welt etwas Reales; gleichzeitig mutiert er die natürliche Realität oder die Realität der Natur mit Hilfe von Technologie wie gefilterten Instagram-Bildern zu einem Hype. So wird die Natur sowohl als Realität als auch als Konzept zufällig.

 

Die Bilder

Wir brauchen im 21. Jahrhundert eine neue Sichtweise auf die Natur, so wie die Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts, die mit der Industrialisierung konfrontiert waren. Die zunehmende Verstädterung der Menschheit beendet in diesem Jahrhundert ein für alle Mal unsere symbiotische Beziehung zur Natur. Die Städte wachsen zu Megastädten

heran, mehr als die Hälfte der heutigen Bevölkerung wurde in Städten geboren, und diese neuen Generationen sind technologisierte Generationen, die auf Komfort ausgerichtet sind, jedoch zum Preis, von der Natur befreit, vielleicht entfremdet zu sein. Jedoch, niemals kann sich die Menschheit von der Natur lösen, geschweige denn befreien.

Die lebhaften Rosa- und Rottöne in Zak van Biljons Werk werden daher jene neonfarbenen Stadtbewohner anziehen, die glauben, die Natur überwunden zu haben, und die dennoch unbewusst an die Natur da draussen erinnert werden. Seine Kunst will, dass sich der Betrachter beim Betrachten der scheinbar unwirklichen Welt seiner Fotografien an die reale Landschaft erinnert.

 

 

Zak van Biljon

Das Land der roten Erde ist die Heimat von Zak van Biljon. Der 1981, in Südafrika, geborene Photograph verbrachte seine Kindheit und Jugend zwischen Johannesburg und Kapstadt. Im Jahr 2003 schloss er als Jahrgangsbester das National College of Photography in Pretoria ab. Ironischerweise mit einer Studie über Schwarz-Weiss Prints – wo ihn doch die Farben der Rainbow Nation geprägt haben.

 

Im Jahr 2004 siedelte er nach Europa über. In Rom lernte er ein anderes Sonnenlicht kennen und in London war er an oberster Stelle der Bookinglisten für bekannte Underground Modelables. Seine Laufbahn als Auftrags- und Kunstfotograf setzte er in der Schweiz fort, wo er jede freie Minute seinen Kunstprojekten widmet.

 

In seinen Arbeiten findet man digitale sowie analoge Fotografien, zeitgenössische Werbe- und moderne Kunstfotografie. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei im inszenatorischen Umgang mit Licht. In seinem neusten Kunstprojekt befasst er sich mit Aufnahmen in Infrarot. Die Welt betrachtet in Rot- und Pinktönen bietet einen neuen und imposanten Einblick auf die Realität wie wir sie kennen.

 

Alle Bilder © Zak van Biljon