Chrissy Angliker (USA/CH)

PAINT/ING/S

20. Oktober bis 2. Dezember 2017

Vernissage: Donnerstag, 19. Oktober 2017, 18.30 Uhr

Shara 2017 © Chrissy Angliker

PAINT/ING/S

Artist Statement

 

Die Bilder dieser Ausstellung folgen nach der Herstellung Chrissy Angliker’s ersten Kunstbuches, namens PAINT/INGS/S, welches mit Neidhart + Schön AG in Zürich publiziert wurde. Das Buch zeigt ihr Hauptschaffen von 2016, welches gleichzeitig ihren Malrhythmus in diesem Jahr sehr einschränkte. Ihr wurde totaler kreativer Freiraum für den Inhalt des Buches gegeben. Ihr Vorsatz war, die tieferen Beweggründe ihres Schaffens auf den Punkt zu bringen, welches durch ihr sezieren der Bedeutung von "Paintings" erfolgte, wie auch das Teilen von Einblicken in Anglikers Arbeitsprozess. Die anschliessenden Bilder von 2017 sind das Echo zum Buch. Es folgte ein tiefes Eintauchen zurück in die Malerei wie auch zurück in die Thematik des Wassers. Nach genügend Zeit in der Tiefe kam das langersehnte Auftauchen und Aufatmen nach Luft, Blumen, wilden Farben, und Freiheit welches ihr Gefühl widerspiegelt, wieder in ihrem Element zu sein, während der Kern des Schaffens, PAINT/ING/S konstant blieb.

 

 

PAINT/   FARBE/

Man lernt von dem was einem unbekannt ist.

 

Bei jedem Umgang mit Farbe hallt dieser Gedanke in mir wieder. Denn die Farbe lehrt mich ganz neue Dinge, die ich bis dato nicht über das Malen wusste. All diese unkontrollierten und unbeabsichtigten Zeichen, die im Akt des Malens entstehen (und die ich bei ihrem Erscheinen als Kontrollverlust über mein Medium und mich selbst erfahre), erweitern allmählich meinen visuellen Horizont in der natürlichen Begriffswelt der Farbe. Meine Entdeckung dieser Perspektive geht auf eine Reihe von «Unfällen» zurück. Meinem Medium seinen Freiraum zu geben ist der Weg, der für mich noch lange nicht abgeschlossen ist.

 

 

PAINTING/   MALEREI/

Der Akt des Malens ist eine unschuldige Rebellion.

Es gibt kein vernünftiges Mass der Rebellion. Vielmehr besteht höchste Dringlichkeit, Dinge zum Ausdruck zu bringen und der eigenen Stimme Gehör zu verschaffen.

 

Es ist der Gefühlsreichtum, der die Bilder erzeugt. Mein Atelier ist ein geweihter Raum, der mit den Zeichen übersät ist, die im künstlerischen Prozess entstanden sind. An diesem Ort suche ich nach Antworten und mache mir Mut. Er ist meine Zuflucht, in die ich mich zurückziehe, um das Treiben und Wirren der Aussenwelt zu verarbeiten.

 

 

PAINTINGS/   GEMÄLDE/

Ein Gemälde ist ein Objekt welches die flüchtige Begegnung mit der Muse einfängt. Es ist kein Wissensanspruch.  Ein Bild ist vollendet sobald es meine Gefühle räsoniert.

 

In meinen frühen Jugendjahren in der Schweiz befragte ich meinen russischen Mentor Juri Borodatchev nach dem Platz des Künstlers in der Welt. Er antwortete: «Es gibt Landwirte, Banker und Schullehrer, die alle einer Beschäftigung nachgehen und einen festen Platz in dieser Welt haben. Der Künstler hat dies nicht, denn er bewegt sich zwischen zwei Welten. Er sitzt zu Füssen Gottes, und sein Job ist es, dem Flüstern von Gott zuzuhören.»

Im Mittelpunkt steht das von Juri benannte «Flüstern», das ich die «Muse» nenne. Die Begegnung mit der Muse versetzt mich in einen unbeschreiblichen Zustand fesselnder Trance. Das Mysteriöse, Faszinierende, Jenseitige der Muse löst den Wunsch aus, ihre Existenz zu erfassen und auf eine Art in die Wirklichkeit zu übersetzen. Die Muse selbst ist kein Objekt, keine Person, kein Ort. Sie gleicht vielmehr einer Aura, die unkalkulierbar um ein Subjekt irrlichtert. Sie huscht am Rande des Bewusstseins entlang und ist nicht zu fassen. Findet sie sich aber ein, so übermittelt sie eine einzigartige transformative Energie. Es ist mir unmöglich, still sitzen zu bleiben und diese Energie zu spüren, ohne dass dies explosive Konsequenzen hätte. Malen ist für mich ein Kanal für diese Energie. Durch den Akt des Malens strömt diese ungezügelte Energie durch mich hindurch direkt auf die Leinwand. Die Leinwand ist ein Gefäss, in das diese fremde und vorzügliche Kraft einfliesst. Ein Werk ist erst vollendet, wenn dieses Gefühl nicht mehr in mir, sondern auf der Leinwand ist.

 

 

BIO

Chrissy Angliker ist eine in Brooklyn ansässige schweizer-amerikanische Künstlerin, die ihre Werke regelmässig in ihrem Heimatland und ihrer Wahlheimat ausstellt. Die Malerin wurde in Zürich geboren und wuchs in Greifensee und Winterthur auf. Ihr künstlerisches Talent wurde bereits in frühen Jahren sichtbar. Anfang 1996 hatte sie das Glück, bei dem russischen Künstler Juri Borodatchev zu studieren, der über viele Jahre hinweg ihr künstlerischer Mentor war. 1999 ging Chrissy Angliker im Alter von 16 Jahren in die USA, um Bildende Kunst an der Walnut Hill School in Natick, Massachusetts, zu studieren. 2002 stellte die Künstlerin erstmals allein in der Galerie Juri im Schweizer Winterthur aus. Stets auf der Suche danach, ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern, belegte sie das Studienfach Industriedesign am Pratt Institute in New York. Nachdem Chrissy Angliker im Anschluss an ihr Studium im Bereich Design gearbeitet hatte, kehrte sie im Jahr 2008 zurück zu ihrem kreativen Ausdruck, der Malerei. Ihre Kunst ist darauf ausgerichtet, visuell umzusetzen, wie sich die Malerin in ihrer Beziehung zur Welt selbst wahrnimmt. Die Arbeiten von Chrissy Angliker wurden in Europa und den USA ausgestellt und in verschiedenen internationalen Publikationen präsentiert. Die Künstlerin arbeitete mit verschiedenen Unternehmen wie unter anderem AOL, Burton und Wired Magazine auf deren Wunsch zusammen. Ihre Solo-Ausstellung «Bodies of Water» wurde im Schweizer Konsulat in New York veranstaltet, und ihre erste Solo –Ausstellung an der amerikanischen Westküste «High Season» fand diesen Sommer in der Craig Krull Gallery in Santa Monica statt. Nach ihrer erfolgreichen Ausstellung 2015 in der Galerie 94 findet im Herbst 2017 die zweite Ausstellung in diesen Räumen statt.