Ruth Maria Obrist (CH)

MONDO RIDOTTO

18. Mai bis 30. Juni 2018

Vernissage: Donnerstag, 17. Mai 2018, 18.30 Uhr

Die Arbeiten der Badener Künstlerin Ruth Maria Obrist wirken schlicht, luftig leicht, streng und verspielt in einem. Sie können ohne Not der Minimal Art zugeordnet werden. Mondo ridotto, eine reduzierte Welt: Kuben, Linien, Punkte, Kreise und die fast ausschliesslich in schwarz-weissen und grauen Tönen gehaltenen Objekte sprechen eine verdichtete Sprache. Die geometrisch austarierten Skulpturen und Bildtafeln erinnern nicht nur an die Zürcher Konkreten, sondern insbesondere auch an die Amerikaner Donald Judd und Carl Andre. Letzterer, müsste Ruth Maria Obrist Namen nennen, gehört unter anderem zu ihren künstlerischen Vorbildern. Und so verwundert es kaum, dass die Badenerin eine ihrer schönsten Raumarbeiten, 144 mit Sand gefüllte, flache Kissen, mal aufgetürmt als Säule, mal als Schachbrett am Boden ausgelegt, dem berühmten Bildhauer und Bodenplattenkünstler aus Massachusetts widmet. In den zahlreichen gepunkteten Tafelbildern beruht Ruth Maria Obrists Vorliebe für minimalistische und präzise Formen auf einem ausgeklügelten System von Primzahlen, die sie auf den Feldern eines Rasters verteilt. Was ausschaut wie willkürlich gesetzte Punkte, hat nichts mit hübscher Beliebigkeit zu schaffen. «Ich liebe die Mathematik, weil sie klar und eindeutig ist», sagt Ruth Maria Obrist. «Mit meiner Kunst versuche ich in der chaotischen Welt und in meinem Kopf Ordnung zu schaffen.» Dabei spielt die in Aarau patentierte Lehrerin und an den Kunstschulen von Basel und Zürich ausgebildete Künstlerin seit ihren Anfängen auf der Klaviatur sämtlicher Materialien: Faden, Leim, Pergament, Stoff, Gold, Teer und Kupfer ziehen sich durch das umfangreiche Oeuvre - variantenreich und von stupender handwerklicher Perfektion. Ausgehend von persönlichen oder soziopolitischen Ereignissen, wie etwa von den Berichten über die Verschmutzung der Meere, entwickelt Ruth Maria Obrist die künstlerische Umsetzung des Inhalts und – noch wichtiger – die adäquate Materialisierung desselben. Beispielsweise ergeben sich aus dem mit Schiffsstempeln geprägten, monochrom schwarzen Ölteppich, der letztes Jahr im Aargauer Kunsthaus zu sehen war, weitere Arbeiten in schwarzer Farbe. Der flüssige Teer ersetzt die Farbpalette. Und als ob die Künstlerin dieser Düsternis oder den Wunden und der Verletzlichkeit von Mensch und Umwelt etwas entgegenhalten wollte, bringt sie es mit dem nicht-toxischen, heute quecksilberfreien Mercuchrom, dem einst unter dem Namen Mercurochrom gehandelten Desinfektionsmittel, regelrecht auf den Punkt: Die Tinktur aus der Apotheke wird mit der Pipette auf den Bildträger getupft – blutrot und vital. Ruth Maria Obrists Arbeiten im öffentlichen Raum, sei es eine aus dem lebenswichtigen Material Kupfer gehäkelte Säule in einem Zürcher Spital, sei es eine im Querschnitt als Kreuz erkennbare Stele auf einer Grabstätte oder die in Beton gegossenen, tanzenden Ginkgo-Blätter an einem Neubau in Baden, verweisen aufs Universelle schlechthin: Entstehen und Vergehen von Leben. Schöne, reduzierte Welt.

Feli Schindler

 

 

Biografie:

1955 geboren in Laufenburg

1975 Lehrerinnenpatent Aarau

1978-81 Schulen für Gestaltung in Basel und Zürich

1982-91 Lehrbeauftragte an der Schule für Gestaltung Zürich (ZHdK)

1983-2013 Stipendien der Eidgenossenschaft, des Kantons Aargau und der Stadt Baden

seit 1993: Atelier und Wohnsitz in Baden

 

 

Ausstellungen (Gruppen und Einzel, Auswahl):

2017 Aargauer Kunsthaus, Aarau/ Galerie Rosenberg, Zürich

2015 Museum Eduard Spörri, Wettingen

2011 Galerie la Ferronnerie, Paris/ Dienstgebäude, Zürich/ Kunstraum Baden

2008 GESA, Galerie Elisabeth Staffelbach, Aarau

2006 Galerie Hans-Trudel-Haus, Baden/ Kunst am Schlossberg, Lenzburg

2005 IG Halle Rapperswil

2004 Schweizer Botschaft, Paris/ Rathaus Aarau

2003 Raum für Neue Kunst, Zürich

1987 Galerie Filambule, Lausanne

1983 Museum Bellerive, Zürich/ Musée des arts décoratifs, Lausanne

 

Mondo ridotto, 2017 © Ruth Maria Obrist

Mercuchrom VI, 2017 © Ruth Maria Obrist

TeerTear IV, 2017 © Ruth Maria Obrist