Melchior Imboden (CH)

Zeitbilder – Objekte

16. März bis 5. Mai 2018

Vernissage: Donnerstag, 15. März 2018, 18.30 Uhr

Zeitbilder

1980 unternimmt Melchior Imboden seine erste ausgedehnte Reise rund ums Mittelmeer. Es folgen Südamerika, Iran, Ägypten, Marokko, Libanon, China, Taiwan, Korea, Japan, Russland, aber auch Europa und zahlreiche Aufenthalte in allen möglichen Grossstädten der Welt. Seine Reisebilder dokumentieren nicht. So sieht Melchior Imboden seine Kamera als Chance, in die Welt zu schauen. Seine Neugier gilt den Menschen und ihren Orten der Veränderung und Umbrüche,den Landschaften als Zeugnis menschlicher Spuren.

Seine Fotos tendieren dank dem gezielten Spiel mit Unschärfen aus der Nähe betrachtet zur Abstraktion und gewinnen aus Distanz an neuer Bildqualität, sie werden mehrdeutig. Der reine Traum im Konflikt der Welt – dieses leise Drama verleiht seinen Bildern ihre Stärke. In ihnen wirkt die Erinnerung ans schöne Bild, eine gebrochene Erinnerung. Denn zugleich ist das Erschrecken spürbar über das, was gezeigt werden muss, und seinen Glauben, der sich nicht brechen lassen will. Es ist sein Antrieb eines Ausbrechens aus fotografischen Normen. Es ist aber stets ein feinsinniger Blick auf die Welt, der für den weit gereisten Schweizer kennzeichnend ist. Melchior Imboden ist ein Reisender, unterwegs, auch wenn er daheim ist. Er lebt von der Neugier, die ihn umtreibt, einer konstanten Aufmerksamkeit für Menschen und Situationen. Er legt seine Bilder so an, dass sie mehr zeigen, als sie zu enthalten scheinen. Er lädt sie auf geheimnisvolle Weise mit Sinn auf, der sich aus dem dokumentarischen Kern heraus entwickelt. Dabei gehen die Zeichen nie in blosse Ästhetik auf, obwohl seine Aufnahmen in hohem Masse auch schöne Bilder sind. Auf einer Schnittlinie zwischen Sinn und Form sucht er nach Bildern, die vor allem seine eigenen sind. Seine Haltung dabei ist immer eine von Nähe und Distanz.

In der Ausstellung werden die schwarz-weissen Landschafts- und Städteaufnahmen wohltuend ergänzt durch den Menschen und seine Spuren. Jede Aufnahme steht für sich, das einzelne Bild besticht durch seinen Umgang mit dem Licht. Die da und dort besonnten Gesichtsfalten, die schwarzen Landschaftsfurchen, die in malerischen Grautönen abgestuft Bilder von einer ästhetischen Kraft entstehen lassen, die nebst dem handwerklichen Können wohl nur mit Schauen und Warten zu erreichen sind. Das Einzigartige an der Fotografie ist, dass ein Moment fixiert werden kann, der nie wieder kommt. Bloss, der Fotograf fixiert nicht nur diesen Moment, sondern auch das Gefühl dahinter, die Idee der Zeit.

 

Objekte

Die aktuellen freien künstlerischen Arbeiten Imbodens stehen in enger Beziehung zu seinem bisherigen gestalterischen Werk. Insbesondere sein weltweit ausgestelltes und ausgezeichnetes Werk welches meist für Kunstausstellungen im In - und Ausland entstanden ist, wurde konstruktiv und geometrisch angelegt. Lineare und Flächige Anordnungen in seinem graphischen Werk haben somit eine logische Fortführung in den Dreidimensionalen Arbeiten gefunden.

Die neue Werkgruppe «Spektrum» von Melchior Imboden welche im Jahr 2016 und 2017 entstanden ist, besteht aus kleinen und grossen Holzelementen, die als Einzelteile zusammengefügt sind und als Bildträger dienen. Die einzelnen Werke faszinieren durch ihre klare geometrische Struktur und ihre Vielfalt in Verbindung mit einem scheinbar uneingeschränkten Farbenspektrum. Mit Hilfe einzelner grossflächiger bzw. linearer Elemente werden mit grosser Präzision

Konstrukte geschaffen, die die Erweiterung konventioneller Bildgrenzen neu definieren. Mittels überlappender Holzelemente, die in verschiedenen Ebenen vertikal oder horizontal auf die Grundplatten oder Holzkörper aufgebaut sind, entstehen neue Räume, die als Farbträger dienen. Die handwerkliche Genauigkeit und der Zauber der Farbenvielfalt ergänzen sich mit der akzentuierten Formenvielfalt. Daraus resultieren überraschende Welten, die Material, Form und Farbe in ein neues Licht rücken. So werden beispielsweise kräftige Farbtöne neben dezente Farben gesetzt oder bewusst dunkle Flächen neben satten Farbelementen positioniert. Hiermit lässt sich die Intensität der einzelnen Farben in unterschiedlichsten Flächen oder Formen auf den Frontseiten oder seitlichen Bildkanten neu erleben.

 

Bio

Melchior Imboden wurde 1956 in Stans in der Innerschweiz geboren. Er lebt und arbeitet als freischaffender Künstler, Fotograf und Grafiker in Buochs.

1972 begann Melchior Imboden eine Ausbildung zum Dekorateur und arbeitete nach dem Abschluss bis 1984 in diesem Beruf. Während dieser Zeit fing er an, sich mit Gestaltung, Typografie, Fotografie und Kunst auseinanderzusetzen und unternahm 1980 eine Reise rund um das Mittelmeer, auf der die ersten umfangreichen fotografischen Arbeiten entstanden. Weitere Fotoreisen führten ihn rund um die Welt.

Ab 1984 studierte Melchior Imboden in der Grafik-Fachklasse der Hochschule Luzern. Während diesem fünfjährigen Studium arbeitete er in Designbüros in Italien und der Schweiz. Nach seinem Abschluss 1989 war Melchior Imboden zwei Jahre als Art Director Assistant in Zürich tätig.

1991 unternahm er eine ausgedehnte Reise nach Südamerika. Hier entstanden zahlreiche Schwarz-Weiss-Fotografien, von denen sich heute eine Vielzahl z.B. in der Sammlung des Fotomuseums Winterthur, im Musée de l’Elysée Lausanne oder in der Bibliothèque Nationale Paris befinden. Seit 1992 arbeitet er als freischaffender Künstler, Grafiker und Fotograf im Inund Ausland. Seine Plakate, die vor allem im Kulturbereich positioniert sind, sowie seine Fotografien wurden vielfach national und international ausgezeichnet.

1998 wurde er Mitglied des Alliance Graphique Internationale (AGI) und war von 2006 bis 2010 Präsident des AGI Schweiz. Melchior Imboden beschäftigt sich laufend fotografisch mit seiner Umwelt. Es entstanden Fotoprojekte wie Nidwaldner Gesichter, Designerportraits und Zeitbilder, die mehrfach international ausgestellt wurden. Er war 2000 als Stipendiant der Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr künstlerisch in Berlin tätig.

Melchior Imboden lehrt in verschiedenen Bereichen: Er ist als Dozent für Fotografie und Grafikdesign und Kunst in Luzern, Bern und Zürich tätig. Zudem wurde er zu zahlreichen Gastvorträgen, Workshops und Jurytätigkeiten im Ausland eingeladen, unter anderem in Kyoto, Beijing, Shantou, Shenzhen, Shanghai, Hangzhou, Xi’an, Jinchuan, Taipei, Moskau, San Francisco, New York, Paris, Brno, Krakau, Teheran, Berlin, Weimar, Stuttgart und Hamburg. Ausserdem war er mehrere Semester Vertretungs- und Gastprofessor für Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

Von 2004 bis 2007 lehrte Melchior Imboden als Vertretungs- und Gastprofessor an der UdK Berlin in den Bereichen Visuelle Kommunikation.

 

Melchior Imboden ist Herausgeber und Gestalter mehrerer Kunst- und Fotobücher, u.a.:

Nidwaldner Gesichter (1992), Leonard von Matt (1994), Martin Imboden – Ein vergessener Fotograf (1996), Franz Troxler (1997), Imi Knoebel (1997), Hans Danuser (1997), Johann Melchior Wyrsch (1998), Melchior Imboden – Jazzgesichter (1999), Horw 2000 (2000), Kunstraum Obwalden (2000), Michael Aschwanden – Unterwegs an der Axenstrasse (2003), Arnold Zwahlen – Der Dorffotograf (2006), Willi P. Burkhardt – Panorama (2007), Melchior Imboden – Designer-Portraits (2007), Melchior Imboden – Innerschweizer Geischter (2011), Melchior Imboden – Zeitbilder (2015)

New York, 1998 © Melchior Imboden

Moskau, 1998 © Melchior Imboden

Objekt 80 x 400 x 8cm, 2017 © Melchior Imboden

Objekt, 2017 © Melchior Imboden